/8 Perspektiven 01.26 / Verband & Branche Die Best Practice-Vorträge werden vom Plenum interessiert verfolgt. Kim Koch, kommissarische Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Stade: „Wer im KI-Ökosystem nicht stattfindet, wird nicht gesehen.“ Images. Konkrete Ideen reichen von Men- toring-Programmen über Betriebsbesichti- gungen und Matching-Formate wie Speed- dating bis zu gezielter Online-Werbung und Infoständen bei Meisterfeiern. Best Practices Yannick Wolfgardt, Tischlerei Biberbau/ Fecon, stellte die Entwicklung der regional produzierten Fenster für den Denkmal- schutz der Einkaufsgemeinschaft Fecon vor. Durch steigende Anforderungen entstand eine eigene Produktion mit Fokus auf regio- naler Wertschöpfung. Standardholz ist Dou- glasie, verarbeitet von der eigenen Stamm- ware bis zur Kantelproduktion. Die Fenster – darunter Berliner, Bremer und Hamburger Modelle – orientieren sich an historischen Vorbildern und verbinden Handwerkstradi- tion mit nachhaltiger Forstwirtschaft. Wie additive Fertigung das Tischler- handwerk erweitern kann, zeigte anschlie- ßend Bastian Arndt, Tischlerei Sandkuhl GmbH, anhand eigener Projekte. 3D-Druck ermögliche komplexe Formen, lokale Fer- tigung und geringe Kosten in Kleinserien. Verwendet werden Kunststoffe, Metalle, Kohle- oder Holzfasermaterialien. Eine Empfehlung gab Arndt gleich mit: „recozy“ – ein Anbieter, der sich auf nachhaltige 3D- Druckmaterialien spezialisiert hat. Anforderungen an die Innungsarbeit. Der Weg von Google zu ChatGPT Nach der Kaffeepause stellte Kim Koch, kom- missarische Geschäftsführerin der Kreis- handwerkerschaft Stade dar, dass Jugendliche kaum noch googlen – sie fragen ChatGPT. Damit wird klar: Wer im KI-Ökosystem nicht stattfindet, wird nicht gesehen. Für In- nungen und Betriebe bedeutet das: Inhalte müssen digital verfügbar sein, strukturiert, aktuell und KI-„lesbar“. Koch zeigte auf, dass Misstrauen heute der Standardmodus sei – ob bei Bildern, Videos oder Informationen. Umso wichtiger werde Vertrauen durch Per- sonen: Eltern, Lehrer, Verwandte oder eben die Innung selbst. Ihr Maßnahmenkatalog reichte von einer Webseite mit einem Da- ten- und FAQ-Pool über Social Media und Online-Zeitungen bis hin zu Ideen wie VR- Videos, Influencer-Kooperationen, Eltern- und Lehrertagen oder WhatsApp-Channels. Offline bleibe weiterhin wichtig: Schulko- operationen, Praktika, Mentoring. Zentrales Learning sei „Ein kleiner Schritt ist besser als gar keiner.“ Koch schloss ihren Redebeitrag mit dem praktischen Hinweis: „Den Goo- gle-Business-Eintrag unbedingt mit Bing synchronisieren – denn KI-Systeme greifen zunehmend darauf zu.“ Digitale Präsenz als Erfolgsfaktor Mit viel Humor leitete Charlie Saalbach, Netzcocktail, seinen Vortrag ein – er arbeite aktiv daran, seinen Job durch KI überflüssig zu machen und dann Tischler zu werden. Seit über 15 Jahren realisiere Netzcocktail Websites für das Handwerk, und die Bot- schaft ist klar: Wer online nicht sichtbar ist, existiert für viele Kunden nicht. Über 80 Prozent informieren sich heute digital, und der erste Eindruck entstehe online. Heißt: Der sichtbarste Betrieb gewinnt. Saalbach zeigte, wie ein gut gepflegtes Google-Unter- nehmensprofil Vertrauen schafft und war- um regelmäßige Pflege reicht, um sichtbar zu bleiben. Wichtig seien vor allem aktuelle Fotos, gepflegte Öffnungszeiten, eine aktive Bewertungskultur sowie klare Leistungsbe- schreibungen. Die Website fungiert als di- gitaler Showroom – von der Auffindbarkeit über Vertrauen bis zur Kontaktaufnahme. Sichtbarkeit sei deshalb keine Einmalaktion, sondern kontinuierliche Arbeit, die sich auszahle. Nach einem intensiven ersten Tag voller Eindrücke, Daten, praktischer Beispiele und strategischer Impulse ging es für die Teil- nehmenden zum gemeinsamen Abendes- sen. In der Kellerbar endete der erste Tag der Obermeistertagung in entspannter Atmo- sphäre – mit viel Gelegenheit für Austausch, Vernetzung und vertiefende Gespräche. Nach einem informativen ersten Tag begann der zweite Tag mit Kälte, Eiskratzern und großer Motivation. Neue Homepage Tischler Nord Nach der kurzen Begrüßung am Morgen des 2. Tages der Obermeistertagung über- gab Andree Zoppke das Wort an Dr. Johann Quatmann, Hauptgeschäftsführer des Fach- verbandes Tischlerhandwerk NRW, der die Grundzüge der neuen Homepage-Struktur vorstellte. Er skizzierte, wie sich die bishe- rige, gemeinsam genutzte Webseite in meh- rere klar getrennte Plattformen aufgliedern soll. Die verschiedenen Zielgruppen erhal- ten künftig passgenaue Anlaufstellen. Für Azubis und Ausbildungsinteressierte gibt es eigene Portale (Tischler-Schreiner-Cam- pus und born2btischler.de), Kunden werden über das Digitale Schaufenster informiert und für Öffentlichkeit, Mitgliedsbetriebe