/14 Perspektiven 04.26 / Durchblick | Software und Digitalisierung sie verstehen. Ein Betrieb, der ein Tool ein- setzt und dabei nicht begreift, was es tut, hat einfach nur eine neue, nicht selten teure und zeitfressende Abhängigkeit aufgebaut. Es entsteht keine neue Kompetenz. Wobei Kompetenz in diesem Zusammenhang ein großes Wort ist – es klingt nach mehr, als es ist. Es braucht für die Einführung und die Nutzung von digitalen Tools keine IT-Ab- teilung. Vielmehr braucht es jemanden, der Prozesse lesen, Systeme hinterfragen und erkennen kann, wenn etwas nicht stimmt. Diese Person ist in den meisten Betrieben bereits da. Sie braucht nur einen entspre- chenden Auftrag und das entsprechende Wissensfundament – und im Idealfall einen externen Partner, der das richtige digitale Werkzeug schon im Portfolio hat oder etwas Passgenaues liefern kann. Genauso wichtig ist die Wahl der richti- gen Lösungen. Angepasste, „hauseigene“ In- sellösungen sind verlockend. Denn sie ma- chen oft vieles von dem, was man braucht – und das sofort. Den Preis dafür zahlt man dann oft später, beispielsweise wenn der An- bieter vom Markt verschwindet, das System nicht mehr gepflegt wird oder die Daten schlichtweg nicht exportierbar sind. Vor so einer Situation schützen offene Standards und wartungsarme Lösungen. Sie halten Betriebe handlungsfähig, auch wenn sich die Technologie weiterentwickelt – was sie zweifelsohne tun wird. Wer BIM-Daten lesen, liefern und einpfle- gen kann, wer sie versteht und ihre Vorteile nutzen kann, ist nicht mehr nur anschluss- fähig – er oder sie bleibt gefragt. Einzelne Betriebe kann dieses komple- xe Handlungsfeld schnell überfordern. Der wichtigste Hebel ist deshalb Zusammenar- beit (Z). Ein Tischlerbetrieb wird beispiels- weise keine eigene Lagerhaltung entwickeln. Das muss er auch nicht. Was er braucht, sind Lösungen, die auf seine Branche zugeschnit- ten sind. Dies gelingt am besten, wenn meh- rere Betriebe gemeinsam Anforderungen formulieren, gemeinsam einkaufen und sich in Verbänden organisieren. Geteilte Digita- lisierung ist nicht halb so gut, sie ist oft viel besser. Die Zusammenarbeit führt zu mehr Erfahrung, geteilten Kosten und zu mehr Praxisbezug – und ergänzt unsere Produk- tivitätsgleichung: P = A × X × Z. Am Ende ist die entscheidende Frage sim- pel: Schaffen digitale Lösungen mehr, als sie kosten – an Geld, an Zeit und an Aufmerk- samkeit? Wer seinen Betrieb unter diesem Maßstab digitalisiert, trifft selten falsche Ent- scheidungen. Wer dabei auf offene Standards, eigene Kompetenz und branchenweite Zu- sammenarbeit setzt, baut nicht nur einen effi- zienteren Betrieb, sondern sorgt dafür, dass P sehr viel größer wird als A. Autor: Hendrik Belitz, Inhaber Innovation through understanding z t ö G n o v n a m o R : o t o F Der IT-Experte Hendrik Belitz beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Prozessoptimie- rung, KI, Automation und Digitalisierung – und setzt dabei stets den Mensch in den Mittelpunkt. Tempo und Transparenz gewinnen Moderne Fertigungsumgebungen kommu- nizieren miteinander. CAD, CNC, Produkt- datenmanagement, Auftragsverwaltung: Wer all das zusammenbringt, gewinnt nicht nur Tempo, sondern Transparenz. Was heute für viele noch nach Zukunftsmusik klingt, ist eigentlich längst Standard. Das gilt beispielsweise auch für Building In- formation Modeling (BIM). BIM wird im Wohnungsbau und im öffentlichen Bereich zunehmend vorausgesetzt – von Architek- ten, Generalunternehmern und Bauherren. Software zählt zu den wichtigsten Werkzeugen in einer Tischlerei. Bei der Auswahl der passenden Systeme kommt es dabei vor allem auf die richtige Strategie an. n i t s u b l A - l e g n E a n i t t e B : o t o F